Papiertiger

Der Papiertiger: Stand der Forschung

 
   
   
   
   
   
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Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.



Wie unter Geschichte der Forschung beschrieben werden die Aussagen der Forscher über den Sadomasochismus aus der Sicht der Sadomasochisten selbst in vielen Fällen realitätsfern zu empfunden. Dies scheint sich in den letzten Jahren jedoch zu verbessern.

(Häufigkeit von Kratzen und Beissen)
(Häufigkeit von SM Spielen)
(Pornographie)
(Gewalt)

Die demographische Struktur der Subkulturen zu ermitteln ist im Moment noch schwierig: Unkenntnis über die Struktur der Subkultur machen es fast unmöglich, ein objektives Bild zu erhalten. Ideologische oder politische Vorstellungen verhindern teilweise auch völlig bewusst eine sinnvolle Datenerhebung, siehe dazu auch Schwule und Lesben.

Bei der formellen Untersuchung der Zusammensetzung gab es bisher, wie unter Geschichte der Forschung genauer beschrieben, zwei Probleme: Einmal eine dogmatische Einstellung zu der Frage, wieviele Frauen in der Subkultur zu finden sind - von den Vorstellungen von Freud, Sigmund, daß alle Frauen im Grunde masochistisch wären bis hin zu der klassischen Lehre der Paraphilien, daß der Frauenanteil vernachlässigbar ist.
Das andere Problem ist, daß oft genug nicht sauber getrennt wird, von welcher Subkultur die Daten erhoben werden, obowhl man davon ausgehen müsste, daß verschiedene Ausprägungen der Subkultur radikal unterschiedliche Zusammensetzungen haben. Fairerweise muß man dazu sagen, daß die traditionelle Abgeschlossenheit aller sadomasochistischen Subkulturen interessierte Wissenschaftler dazu zwang, die Daten zu nehmen, die sie kriegen konnten und in den meisten Fällen haben sie als Erste auf die Unmöglichkeit hingewiesen, allgemeine Schlüsse zu ziehen.

Das beste Datenmaterial für den eurpäischen Raum stammt zur Zeit wohl aus der Trierer Studie1. Wie unter Szenen und Rituale genauer beschrieben hat auch diese Studie eine ganze Reihe von Mängeln, hier insbesondere die Tatsache, daß Daten aus der kommerziellen und nicht-kommerziellen Subkultur nicht getrennt wurden. Während die kommerzielle Subkultur weiterhin hauptsächlich Männer als Kunden sieht, tauchen in der offenen, in Gruppe (s. Eintr.: Organisationen)n organisierten Subkultur in zunehmendem Maß Frauen auf, wie auch1 bestätigt:

Trotz der unergiebigen Datenlage scheint sich in den letzten Jahren ... der Frauenanteil kontinuierlich erhöht zu haben.

Trotz der Vermischung von Daten aus verschiedenen Teilen der Subkultur kommt die Trierer Studie immerhin auf einen Anteil von 38% an weiblichen Sadomasochisten, deutlich höher als der Anteil, der noch 1962 in2 genannt wurde.

Allgemein zeigt sich in den Untersuchungen, daß es mehr Sadomasochisten mit einer Vorlieber für die Rolle als Bottom als für die Rolle als Top gibt. Zahlen fehlen hierzu, es wird teilweise von einem Verhältnis von 1 zu 10 gesprochen. ´

Der Vanille-Teil der homosexuellen Subkultur ist inzwischen relativ gut wissenschaftlich beschrieben worden. Eine derartige Beschreibung liegt für den Sadomasochismus nur in Ansätzen vor.3:

Über die sadomasochistische Subkultur ist ist relativ wenig bekannt, da sie Aussenstehenden, die nicht selbst teilnehmen, keinen Zugang lässt.
1:

Ehe der Forscher ein erstes Gespräch mit einem Sadomasochisten führen kann, muß er zunächst eine Mauer aus Misstrauen, Angst, Schamgefühl und Desinteresse überwinden.

Als abschreckendes Beispiel für die noch mittelalterlichen Vorstellungen einiger Mediziner, die es besser wissen müssten, kann4 dienen, siehe dazu auch Vorurteile.

Eine generelle Ablehnung von Studien ist genauso schädlich für den Sadomasochismus wie eine kritiklose Teilnahme. Im Zweifelsfall sollte die Teilnahme an einer Studie mit einer der örtlichen oder überregionalen sadomasochistischen Organisationen besprochen werden. Von den Forschern selbst kann erwartet werden, daß sie ihre Grundannahmen offenlegen.
Siehe hierzu auch die Überlegungen am Anfang des Eintrags Geschichte der Forschung.

Literaturhinweise:

1 Wetzstein, Thomas A. / Steinmetz, Linda / Reis, Christa / Eckert, Roland:
    Sadomasochismus - Szenen und Rituale  [Details]
2 Giese, Hans:
    Psychopathologie der Sexualität  [Details]
3 Bräutigam, Walter / Clement, Ulrich:
    Sexualmedizin im Grundriss: Eine Einführung in Klinik, Theorie und Therapie der sexuellen Konflikte und Störungen  [Details]
4 Gödtel, Reiner:
    Sexualität und Gewalt  [Details]

 

Auf diesen Eintrag verweisen: Forschung, Gewalt, Medizin, Medizinische Forschung, Sadomasochismus, Safeword, Subkultur, Vorurteile

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