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Der Papiertiger: Lesben

 
   
   
   
   
   
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Der Papiertiger ist eine Enzyklopädie des Sadomasochismus, zusammengestellt von Datenschlag. Hier versuchen wir, möglichst umfassend, Begriffe aus dem SM-Bereich zu erklären.


In der Achtung vieler Kulturen in der westlichen Welt stehen homosexuelle Frauen traditionell an letzter Stelle. Zwar sind aktive Repressionen gegen sie seltener als bei Schwulen - das Alte Testament ruft nur zur Tötung von Schwulen, nicht von Lesben auf (vgl. Religion) und die lesbische Liebe ist und war in vielen Staaten nicht unter Strafe gestellt; allerdings können diese Tatsachen auch mit einigem Recht selbst als eine Form der gesellschaftlichen Unterdrückung durch Nichtbeachtung gesehen werden1.

Sadomasochistische Lesben haben es in dieser Hierarchie allerdings doppelt schwer. In einer heterosexuellen, zu einem großen Teil noch männlich dominierten Gesellschaft können sie fast als einzige Lesben-Gruppe nicht auf die Unterstützung der Frauenbewegung zählen (siehe auch EMMA und Schwarzer, Alice) und auch andere Lesben sehen sie oft genug als "Verräterinnen" an der Sache. Einen guten Überblick über die Probleme der SM-Lesben speziell in Deutschland ist in2 zu finden, auf dem ein großer Teil dieses Eintrag beruht. Allgemeinere Fragen werden unter Frauen, psychoanalytische Interpretationen unter Freud, Sigmund behandelt.

So wird der Sadomasochismus im Lesbenknigge3 zwar mit dem Satz eingeleitet:

Der Preis für das beste sexuelle Gleitmittel geht sicherlich an sado-masochistische Praktiken.

Aber der Sadomasochismus wird wenige Zeilen weiter als etwas gesehen, was "bei Heteros als schick gilt" und es wird auch geschrieben:

Individuelle Frauen können es gar nicht ertragen, zu Karikaturen patriachalischer Herrschaft und Unterwerfung gemacht zu werden. Ein anderer Aspekt des Sado-Maso, den viele Lesben für anti-erotisch halten, ist sein sado-puritanische Seite. Eine ganze Menge des "feelings" basiert auf schrecklichen und unrealistischen Schuldgefühlen. Ausserdem wird dein Körper durch Brandwunden, Narben und Hepatitis nicht gerade interessanter.

Man beachte hier die stereotypischen Vorurteile: Die Entstehung des Sadomasochismus durch Schuldgefühle (vgl. Sartre, Jean-Paul), die körperliche Verunstaltungen und Sadomasochisten als Seuchenherd. Vermissen tut man hier noch die Anspielung auf Gewalt und Faschismus, die auch prompt nachgeliefert wird:

Frauen brauchen jedoch die Ikonographie des Faschismus für erregendes sexuelles Theaterspiel nicht.

Der Text beruhigt sich etwas, aber das negative Bild bleibt. Andere Mainstream-Lesbenbücher sehen die Sache nicht ganz so verbissen. Trotzdem bleibt auch Mitte der 90er die generelle Haltung der lesbischen Gruppen zumindest in Deutschland generell feindlich.

Nach4 begann eine dichtere Kommunikation und Vernetzung zwischen Lesben Anfang der 70er.

Literaturhinweise:

1 Paczensky, Susanne von:
    Verschwiegene Liebe: Zur Situation lesbischer Frauen in der Gesellschaft  [Details]
2 Wetzstein, Thomas A. / Steinmetz, Linda / Reis, Christa / Eckert, Roland:
    Sadomasochismus - Szenen und Rituale  [Details]
3 West, Celeste:
    Der Lesbenknigge  [Details]
4 Thompson, Mark (ed.):
    Leatherfolk: Radical Sex, People, Politics, and Practice.  [Details]

 

Synonyme: Lederlesben, SM-Lesben

Siehe auch: Samois, Califia, Pat

Auf diesen Eintrag verweisen: Antoniou, Laura, Blut, DS, Dyke, Feminismus, Homosexualität, Kuschelsex, Österreich, Penile Circumference Response, Sadomasochismus, Samois, Sartre, Jean-Paul, Schweden, SM-Lesbe, SMart Rhein-Ruhr e.V., Stand der Forschung, Subkultur, Switch, Vergewaltigung, Vorurteile

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Stand: 01.12.2002.

 

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