Viele Praktiken des Sadomasochismus sind auch unter Sadomasochisten umstritten. Meist wird diesen Praktiken ein höheres Risiko für die Beteiligten zugeschrieben, zum Beispiel bei Strom, Atemkontrolle, Cutting (schneiden) oder Spezialfällen wie Alkoholeinläufen oder dem Gebrauch bewußtseinsverändernder Substanzen während des SM-Spiels.
In dem Howto "Atemkontrolle" heißt es dazu:
Darf man zu diesem Thema überhaupt Informationen veröffentlichen?
Hazelwood, Dietz und Burgess schreiben dazu im Vorwort zu "Autoerotic Fatalities" (1983):
"Veröffentlichungen zu diesem Thema bringen ganz spezielle Probleme mit sich. Eine schwerwiegende Frage war, ob das Risiko bestand, dieses gefährliche Verhalten erst bekannt zu machen, indem wir darüber schrieben. Im Verlauf unserer Untersuchung stellten wir fest, daß diese Verhaltensweisen der Öffentlichkeit bereits durch Literatur, Film und die Massenmedien bekannt waren. Daher glauben wir, daß die Zeit für eine sorgfältige wissenschaftliche Darlegung der Fakten gekommen ist.
Innerhalb der SM-Gemeinde sind die Praktiken natürlich noch sehr viel bekanter und damit stellt sich nicht die Frage, ob man Sadomasochisten von ihnen fernhalten kann, sondern wie fatale Katastrophen vermieden werden können.
Datenschlag geht den Weg der Veröffentlichung. Wir sind der Meinung, daß unsere Sachtexte Menschen nicht zu unverantwortlichem Handeln verführen, sondern im Gegenteil die Risiken erst bewußt machen und nach bestem Wissen, Gewissen und Stand der Technik über Möglichkeiten der Risikominimierung informieren.
Wir haben in unserem SM-Umfeld die Erfahrung gemacht, daß sich trotz des Wissens um diese Praktiken sich jeweils nur eine kleine Gruppe dafür interessiert. Da für diese kleine Gruppe das alte Gesetz "Sie tun es ja doch" (und zwar zum großen Teil bereits im Pubertätsalter) gilt und schlecht informierte Personen das Risiko - insbesondere das Risiko von Solospielen - eher unter- als überschätzen, halten wir das vorsätzliche Zurückhalten von Informationen über diese umstrittenen Spielarten für nicht nur nicht sinnvoll, sondern für ausgesprochen gefährlich.
In den Howto's, den Infos und den anderen Texten haben wir die Fakten zusammengestellt. Sie sollen jenen, die ohnehin bestimmte Phantasien spielen wollen, das notwendige Grundwissen geben, von dem aus einigermassen sicher eigene Erfahrungen gesammelt werden können.
Die Lektüre soll kein trügerisches Gefühl der Sicherheit hervorrufen: Einige Risiken lassen sich auch durch Weiterbildung und alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen nicht beseitigen, noch nicht einmal nennenswert vermindern - diese Texte sollen lediglich dabei helfen, das Risiko einzuschätzen und eine informierte Entscheidung zu treffen.
(Teile entnommen aus "Mit Hängen und Würgen" von Kathrin Passig)
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